Steckbrief
Eissturmvogel Fulmarus glacialis

Der Eissturmvogel (Fulmarus glacialis) oder Nordatlantische Eissturmvogel gehört zur Familie der Sturmvögel. Als einziger Möwensturmvogel nördlich des Äquators verbringt er die meiste Zeit über dem offenen Meer. Er ernährt sich von Krill, Fischen, Schnecken, Krebsen, Kopffüßern, Mollusken und Quallen. Zudem frisst er Aas und Fischabfälle. Während der Brutzeit verteidigt sich der Eissturmvogel gegen Prädatoren und Nesträuber, indem er diese mit seinem Magenöl bespeit.

Der Eissturmvogel war der Seevogel des Jahres 2022 in Deutschland.

Beschreibung & Aussehen

Der etwa krähengroße Eissturmvogel erreicht eine Länge von 45–53 cm sowie ein Gewicht von 650–1000 g. Die Flügelspannweite beträgt 101 bis 117 cm.

Beim adulten (ausgewachsenen) Eissturmvogel sind Kopf, Hals und Unterseite dunkelgrau oder weiß. Das Gefieder auf der Oberseite der Flügel ist graublau. Bürzel und Schwanz sind meist heller grau, letztgenannter ist zudem gerundet. Die Geschlechter sind gleich gefärbt, Männchen sind meist etwas größer als Weibchen. Die Beine sind kurz und gelblichgrün. Im Gegensatz zu vielen Möwen zeigt der Vogel im Flug keine schwarzen Flügelspitzen.
Unter Berücksichtigung des Gefiederdimorphismus werden zwei Gruppen unterschieden: Zum einen die Populationen der grauen oder dunklen Morphe, die in der Hocharktis und der niederarktischen Bäreninsel einen Anteil von knapp 85 bis 90 Prozent aufweisen. Zum anderen die Populationen der weißen Morphe, die im borealen Nordatlantik leben. Außerdem finden sich im niederarktischen Westgrönland (einschließlich der hocharktischen Thule-Region) und auf dem hocharktischen Jan Mayen Populationen mit mindestens einem Prozent grauer Vögel. An den arktisnahen Orten der pazifischen Küste leben zudem viel mehr graue und dunkle Individuen als weiße.

Der Eissturmvogel hat dunkle, durch einen grauen Zügelfleck betonte Augen. Der Schnabel ist kurz und kräftig. Er ist überwiegend gelblich gefärbt, wird zur Nasenspitze dunkler und variiert zwischen einer schwarzen Melierung an und nahe den Nasenflügeln. Die Nasenlöcher sind wie bei allen Röhrennasen röhrenartig verlängert. Bezüglich der Schnabellängen werden drei Gruppen unterschieden: Kurze Schnäbel (weniger als 37 mm) finden sich in der ganzen Hocharktis, mittellange (38 bis 39 mm) in der Niederarktis, auf Jan Mayen sowie Thule und die langen (mehr als 40 mm) im borealen Nordatlantik.

Der Eissturmvogel segelt mit starr ausgebreiteten Schwingen und neigt den Körper mal auf die eine Seite und mal auf die andere Seite. Meistens fliegt er dabei dicht über dem Wasser. Er richtet seinen Flug nach dem Heben und Senken der Wogen aus. Seine Flügelschläge sind rasch und kurz. In der Nähe von Steilklippen ermöglichen ihm die Aufwinde ein Gleiten. Zum Abflug vom Wasser aus wird ein kurzer Anlauf auf der Wasseroberfläche durchgeführt.

Stimme, Gesang & Ruf

An den Brutkolonien geben Eissturmvögel gackernde, glucksende und nasale Laute von sich. Auf hoher See sind sie weniger ruffreudig. Streit um Futter wird indes auch mit lautem Gackern ausgetragen.

Lebensraum

Der Eissturmvogel ist im Norden des Atlantik und des Pazifik verbreitet und nistet auf Felseninseln und entlang von Steilküsten. Während der Brutzeit entfernt er sich nicht mehr als 30 bis 40 km von seinen Kolonien. Den Rest des Jahres streift er über das Meer. Er überwintert an den Küsten, selten im Binnenland.

An der Atlantikküste Nordamerikas gibt es 16 Kolonien. Davon befinden sich fünf auf Neufundland und Labrador. Weitere elf Kolonien verteilen sich auf das arktische Kanada, die Baffininsel und die Devon-Insel.

Auch auf Spitzbergen gibt es Brutkolonien. Diese befinden sich vor allem an der Westküste und auf der Bäreninsel.

In Europa gibt es Kolonien unter anderem auf Island, an den Küsten Irlands (Saltee-Inseln), in Schottland und allgemein in Skandinavien, aber auch in Dänemark, den Niederlanden und auf Helgoland sowie in Nordfrankreich.

Nahrung

Der Eissturmvogel ernährt sich von Krill, Fischen, Schnecken, Krebsen, Kopffüßern, Mollusken und Quallen. Zudem frisst er Aas und Fischabfälle. Die Nahrung wird von der Wasseroberfläche gepickt oder ertaucht. Kurzzeitige Tauchgänge erfolgen bis in eine Tiefe von vier Metern.

Entlang der Schifffahrtsrouten der Nordsee verschlucken Eissturmvögel oft Kunststoffteile. Magenuntersuchungen zeigen, dass diese Exemplare eine viermal höhere Kontamination als die Vögel der Färöer aufweisen. Der Plastikmüll in der Nordsee hat in den letzten Jahren nicht abgenommen. 90 % des Mülls besteht aus Kunststoffen. Bei 60 % der untersuchten Eissturmvögel konnte mehr als 0,1 Gramm Kunststoffe im Magen nachgewiesen werden.

Fortpflanzung, Balz & Brut

In der Zeit von März bis April erscheinen die Eissturmvögel vor dem Brutfelsen, gehen aber zunächst nicht an Land. Die Männchen treffen zuerst ein und balzen auf dem Wasser, indem sie rhythmisch den Körper hochheben, mit den Flügeln schlagen und Schreie ausstoßen. Bei den Populationen im Pazifik reißen sie zudem den Schnabel auf und zeigen dem Partner den leuchtend orangefarbenen Schlund.

Nach der erfolgreichen Balz auf dem Wasser bleibt das Männchen in der Nähe des ausgewählten Weibchens. Einige Zeit später gackert es das Weibchen laut an und stößt es mehrfach zärtlich mit dem Schnabel. In regelmäßigen Abständen bringt es ihm Nahrung, um zu zeigen, dass es eine Familie ernähren kann. Nach einiger Zeit kommt es schließlich zur Kopulation. Die Paare bleiben ein Leben lang zusammen.

Jungvögel & Aufzucht

Am Ende des Winters beziehen die Eissturmvögel ihre Nistplätze, brüten die Eier jedoch erst im Mai aus. Sie nisten auf nackten Felsvorsprüngen, unzugänglichen Felsbändern, in kleinen Höhlungen in den obersten Etagen der Felswand. Manche Paare brüten auch am Boden. Das Nest ist eine flache Mulde, die manchmal mit Gras ausgepolstert oder mit kleinen Steinen eingefasst ist. Zwischen Mai und August wird ein einziges weißes Ei von beiden Eltern 48 bis 57 Tage bebrütet, die sich alle paar Tage ablösen. Wird das Ei gestohlen oder zerbrochen, legt das Weibchen kein neues.

Mitte Juni schlüpft der Jungvogel, der einen sehr dichten Daunenpelz trägt. Kopf, Hals und die untere Körperhälfte sind weiß und grau. Das restliche Gefieder ist rauchgrau gefärbt. Die ersten zwei Wochen wärmt ein Elternteil das Junge, während der andere Altvogel auf Nahrungssuche ist. Der Jungvogel wird mit einem öligen Brei aus halbverdauten Kopffüßern, Mollusken und Quallen gefüttert, so dass er auffallend fett wird. Nach zwei Wochen wird er den ganzen Tag allein gelassen und lediglich einmal täglich gefüttert. Nähert sich jemand in Abwesenheit der Eltern dem Nest, bespeit er ihn zur Verteidigung mit Öl. Im Alter von drei Wochen kann er erstmals seine Eltern von Eindringlingen unterscheiden. Die Nestlingszeit dauert 41 bis 57 Tage. Nach sechs bis acht Wochen Fütterungszeit – sobald sich der Jungvögel einige Schritte aus dem Nest bewegt – ziehen die Altvögel wieder auf die Hochsee und überlassen ihn sich selbst. Im Alter von 50 bis 60 Tagen stürzt er sich von den Felsen und treibt flugunfähig auf dem Meer. Von der Oberfläche nimmt er Plankton auf und zehrt von seinen Fettvorräten so lange, bis das Gefieder völlig herangewachsen und er flugfähig ist.

Die Jungvögel verlassen die Kolonie im Juli oder August. Im Herbst und im Winter verbringen die noch nicht geschlechtsreifen Nichtbrüter die Zeit auf hoher See. Zwischen August und Oktober erledigen die adulten Vögel ihre Mauser in den europäischen Gewässern und überwintern dort. Einzelne Tiere bleiben auch in den Nistkolonien.

Die Lebenserwartung beträgt 20 Jahre und mehr. Das Höchstalter liegt bei etwa 90 Jahren. Durch Wiederfund beringter Tiere belegte Lebensalter betragen 43 Jahre und 10 Monate sowie 36 Jahre und 9 Monate für Vögel von der Britischen Insel und 19 Jahre und neun Monate für einen auf Helgoland beringten Vogel.[19][20] Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 34 Jahre, aber oft kommen auch Alter von über 60 Jahren vor

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