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Steckbrief
Papageitaucher
Fratercula arctica
Bilder &
Fotos
Kurzinfos & Fakten
Größe
28 - 34 cm
Gewicht
Männchen ca. 391 g
Weibchen ca. 361 g
Spannweite
Männchen ca. 159,9 mm
Weibchen ca. 158,9 mm
Nahrung
Fisch, Vielborster, Krebstiere
Eier / Gelege
1 Ei
Brutdauer
35 - 38 Tage
Zugverhalten
Stand-, Strich- oder Zugvogel
Gefährdung
Gefährdet
Der Papageitaucher (Fratercula arctica) – auch Papageientaucher oder Puffin genannt – ist eine Vogelart aus der Familie der Alkenvögel (Alcidae). Die Art brütet in Erdhöhlen an und auf Klippen oder an deren Fuß im Nordatlantik sowie im westlichen Nordpolarmeer. Aufgrund der gebietsweise stark schrumpfenden Populationen stuft die IUCN den Papageitaucher seit 2015 als Vulnerable (gefährdet) ein.
Beschreibung & Aussehen
Mit einer Körperlänge von 28 bis 34 cm und einer Flügelspannweite von 50 bis 60 cm ist der Papageitaucher etwa so groß wie eine Haustaube. Männchen sind etwas größer und schwerer als Weibchen; so hatten auf der Insel Skomer vor Wales gefangene Männchen im Mittel eine Flügellänge von 159,9 mm und wogen im Mittel 391 g, Weibchen erreichten eine Flügellänge von 158,9 mm und ein Gewicht von 361 g. Wie bei vielen Vertretern der Familie sind Brustband, Oberkopf, Rücken sowie die Oberseite der Flügel schwarz und die Unterseite des Rumpfes weiß. Eine diffus dunkelgraue Zone zieht sich seitlich vom hinteren Flügelansatz bis zum Beinansatz. Im Prachtkleid sind die Kopfseiten großflächig scharf abgesetzt weiß mit einem grauen Anflug. Dieses weiße Feld läuft zum Hinterkopf hin spitz aus. Unter dem Auge befindet sich ein rotes, wulstförmiges Hautgebilde, von dem sich eine feine, unbefiederte Linie fast gerade bis in die hintere Spitze des weißen Feldes zieht.
Der im Profil etwa dreieckige Schnabel ist extrem hoch, aber sehr schmal. Er zeigt im basalen Teil eine Umhüllung aus mehreren ornamentalen Horngebilden, die im Schlichtkleid fehlen. Der First und die distale Hälfte sind leuchtend hellrot und zeigen Querwülste und am Grund gelbliche Furchen; die Schnabelspitze ist oft ebenfalls gelblich. Die proximalen (basalen) Teile von Unter- und Oberschnabel sind grauviolett, diese Färbung ist durch einen gelben oder gelborangen Wulst von der distalen Rotfärbung abgesetzt. An der Basis des Oberschnabels befindet sich eine breite gelblich-violette Hornspange. Die Schnabelwülste sind vergrößert und gelborange. Das längliche Nasenloch befindet sich an der basalen Unterkante des Oberschnabels.
Die Iris ist variabel braun, graubraun oder weißlich. Die Beine sind leuchtend rot. In Europa ist die Art durch die weißen Kopfseiten und den großen, dreifarbigen Schnabel unverkennbar.
Die kräftigen Farben des Schnabels sind im Schlichtkleid blass, ebenso wie die orangefarbenen Beine, die dann gelblich blass sind. Die Kopfseiten sind im Schlichtkleid grau. Die große, hornige Schnabelscheide wird zur Mauser abgeworfen und danach erneuert.
Ein Papageientaucher lebt in Freiheit etwa 20 Jahre. Das älteste bekannte Individuum wurde 36 Jahre alt. Die Altersbestimmung ist für die Forscher deshalb schwierig, weil Beringungen nach Jahren in Höhlen und im Salzwasser kaum lesbar sind.
Stimme, Gesang & Ruf
Die tiefen Rufe des Papageitauchers klingen wie „orr…o-o“ oder „arr…ha-ha“, sind in der Tonhöhe fallend oder steigend und ähneln so dem Knarren einer rostigen Türangel. Sie werden gelegentlich einzeln, meist aber mit kurzen Pausen dreimal hintereinander geäußert. Papageitaucher rufen häufig auf dem Wasser, aber auch in der Kolonie und in den Bruthöhlen.
Lebensraum
Das Brutareal der Art umfasst die Küsten und vor allem Inseln des nördlichen Atlantiks sowie des westlichen Polarmeeres. In der Nearktis brütet der Papageitaucher an der Atlantikküste Nordamerikas von Labrador bis Maine sowie auf Grönland. Die südlichsten Brutkolonien im Westatlantik finden sich im Golf von Maine etwa beim 43. nördlichen Breitengrad, die nördlichste findet sich auf Coburg Island in der Baffin Bay etwa in Höhe des 79. nördlichen Breitengrads.
Außerhalb der Brutzeit, also von Ende August bis Anfang April, leben Papageitaucher ausschließlich pelagisch auf dem offenen Meer. Die Zugstrategien scheinen individuell und je nach Herkunft der Population sehr unterschiedlich zu sein; die Tiere sind Stand-, Strich- oder Zugvögel. Um mehr Details über die Aufenthalte von Papageitaucher zu erfahren, werden ihnen von Forschern sogenannte „geolocator“ an der Beringung angebracht. Diese winzigen Geräte zeichnen die Standortbestimmung auf, die im darauffolgenden Jahr, wenn der Vogel wieder aufgefunden wird, ausgelesen werden kann.
Nahrung
Hauptnahrung adulter Papageitaucher ist Fisch, im Winterhalbjahr können aber auch Vielborster und Krebstiere eine bedeutende Rolle bei der Ernährung spielen. Der Nahrungsbedarf adulter Vögel liegt bei etwa 80 bis 100 Gramm pro Tag. Im größten Teil des Verbreitungsgebietes bilden Fische die fast ausschließliche Nestlingsnahrung. Erbeutet werden die häufigen, tagsüber erreichbaren Schwarmfische, dies sind vor allem Sandaale (Ammodytidae), Sprotte, Lodde und Atlantischer Hering; seltener verschiedene Dorschartige, vor allem Pollack, Kabeljau, Wittling, Ciliata sp. und Gaidropsarus sp. Im Nordpolarmeer werden Vielborster und Krebstiere auch regelmäßig an die Nestlinge verfüttert.
Nahrung suchen die Vögel tauchend, unter Wasser bewegen sie sich mit den Flügeln vorwärts (flügeltauchend). Papageitaucher tragen die gefangenen Fische quer im Schnabel. Sie werden mit der Zunge gegen den Oberschnabel gedrückt, bis die ganze Schnabellänge mit Fisch gefüllt ist. Während der Brutzeit liegen die Nahrungsgründe der Papageitaucher in der Regel in Gewässern der Kontinentalschelfe und nicht mehr als zehn Kilometer von der Brutkolonie entfernt. Für Brutkolonien auf Neufundland wurden aber auch vereinzelt Papageitaucher nachgewiesen, die die Fische aus einer Entfernung von siebzig Kilometer herantrugen.
Papageitaucher können bis zu siebzig Meter tauchen, finden jedoch gewöhnlich ihre Nahrung in geringeren Gewässertiefen. Bei zehn Papageitauchern, die vor der Küste Neufundlands über einen Zeitraum von 17 Tagen genauer untersucht wurden, wurden maximale Tauchtiefen von 40 bis 68 Meter, bei zehn Papageitauchern vor der norwegischen Küste dagegen maximale Tauchtiefen von 10 bis 45 Meter festgestellt. Bei Papageitauchern, die vor der schottischen Isle of May beobachtet wurden, waren die Tauchgänge in 80 % der Fälle kürzer als 39 Sekunden. Das Maximum betrug 115 Sekunden.Die Pausen zwischen den Tauchgängen sind in 95 % der Fälle kürzer als 20 Sekunden.
Fortpflanzung, Balz & Höhlenbau
Papageitaucher brüten bevorzugt in sehr dichten Kolonien, so wurden auf Sule Skerry, eine der Orkney-Inseln, mindestens 47.000 besetzte Höhlen auf 5 ha, auf der norwegischen Insel Røst 352.000 Brutpaare auf 90 ha festgestellt.
Die Ankunft in den Kolonien erfolgt in Westeuropa Anfang bis Mitte April, im Nordpolarmeer variiert die Ankunft durch die Abhängigkeit von der Schneeschmelze stark. Die Balz beginnt mit der Ankunft am Brutplatz, die Vögel kommen bereits verpaart dort an. Papageitaucher führen eine monogame Saisonehe, wobei der weit überwiegende Teil der Paare bereits im Vorjahr zusammen war. Kopulationen finden nur auf dem Wasser statt. Das Männchen fordert das Weibchen durch Hochwerfen des Kopfes und gleichzeitige „arr…“-Rufe zur Paarung auf. Paarungswillige Weibchen schwimmen mit erhobenem Kopf und drücken den Hinterkörper tiefer ins Wasser. Nach der Kopulation schwimmen die Partner langsam umeinander.
Zur Brut werden meist selbst gegrabene Höhlen benutzt. Seltener, aber je nach Lokalität mit stark variierendem Anteil werden auch Höhlen von Sturmtauchern oder Wildkaninchen übernommen. Bruten in horizontalen Felsspalten oder zwischen Geröll, wo nicht gegraben wird, kommen in Nordamerika offenbar häufiger, in Europa hingegen nur sehr selten vor. Nur die unmittelbare Umgebung des Höhleneingangs wird vom Männchen gegen Artgenossen verteidigt. Die Höhlen werden mit dem Schnabel gegraben, das lose Material wird mit den Füßen nach draußen befördert. Selbst gegrabene Höhlen sind im Normalfall maximal 0,75 bis 1,50 m lang, selten bis 3 m. Die Öffnung ist 30–40 cm weit, der Gang hat einen Durchmesser von etwa 12,5 cm und die Nestkammer einen Durchmesser von 30 bis 40 cm.
Brut, Jungvögel & Aufzucht
Der Legebeginn variiert je nach geographischer Lage und Schneelage. An der Westküste Schottlands werden die ersten Eier frühestens in der zweiten Aprilwoche, in Mittelnorwegen im Normalfall frühestens Anfang Mai und meist erst Mitte Mai gelegt. Die Eier werden überwiegend auf den bloßen Höhlenboden oder auf eine dünne Schicht aus Federn, Pflanzenteilen und Seetang gelegt. Die Eier sind schmutzig weiß bis grauweiß und sehr spärlich hellbraun und violett gestrichelt und gefleckt. Eier aus Großbritannien messen im Mittel 60,8 mm × 42,3 mm, Eier von der Murmanküste im Mittel 63,7 mm × 44,4 mm. Die Eier wiegen im Mittel etwa 65 g. Das Gelege besteht nur aus einem Ei, die Brutzeit beträgt 35 bis 38 Tage.
Beide Partner brüten, hudern und füttern etwa zu gleichen Teilen. Das Futter wird den Nestlingen vorgehalten oder in der Nesthöhle fallen gelassen. Im Gegensatz zu allen anderen Vertretern der Familie Alcidae finden die Nestlinge Nahrung auf dem Boden auch im Dunkeln. Hierzu tasten die Nestlinge den Boden in ihrer Umgebung mit dem Schnabel ab, sobald sie nach dem Schlupf getrocknet sind. Ab einem Alter von 5 Tagen laufen die Jungvögel dabei auch vorwärts. Das Futtersuchverhalten wird im Alter von ein bis drei Tagen durch Berührungen des Schnabels, durch eine plötzliche Aufhellung der Höhle oder durch Lautäußerungen der Elterntiere ausgelöst, später suchen die Nestlinge auch spontan.
Die Nestlingsdauer ist abhängig von der Nahrungssituation. Gut ernährte Jungvögel fliegen nach 37 bis 41 Tagen aus, schlecht ernährte nach 46 bis 54 Tagen. Wenige Tage vor dem Ausfliegen verlassen die Jungvögel nach Einbruch der Dunkelheit die Höhle, um das Fliegen zu trainieren. Diese Ausflüge erfolgen bis zu zehnmal pro Nacht und dauern meist nur maximal zwei Minuten. Die Jungvögel entfernen sich dabei höchstens 15 bis 20 m von der Höhle. Das endgültige Ausfliegen erfolgt selbständig, gut ernährte Jungvögel fliegen zum Meer, schlechter ernährte laufen oder springen hangabwärts. Sobald das Meer erreicht ist, schwimmen die Jungvögel selbständig auf das Meer hinaus und kommen nicht wieder zur Kolonie zurück. Die Altvögel suchen die Kolonie noch bis zu drei Wochen nach dem Ausfliegen des Jungvogels auf.
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Dieser beschreibende Text basiert auf dem Artikel
Papageitaucher
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