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Steckbrief
Bruchwald

Ein Bruchwald (Zusammensetzung mit dem Wort Bruch für „Feuchtgebiet“; regional auch Broich, Brook oder Brok) ist ein permanent nasser, örtlich überstauter, langfristig gefluteter, sumpfiger Wald. Damit lässt er sich vom zeitweilig gefluteten Sumpfwald und vom regelmäßig gefluteten Auwald abgrenzen; beide sind durch kürzere und ausgeprägtere Wasserstandsänderungen gekennzeichnet.

Die Landschaftsökologie und die Vegetationskunde fassen den Begriff Bruchwald relativ eng. Ein „echter“ Bruchwald zeichnet sich demnach durch folgende Merkmale aus:

  • Die Standorte sind permanent grundwassernah; Schwankungen des über oder knapp unter Flur befindlichen Grundwasserspiegels sind im Jahresverlauf in der Regel geringer als einen Meter.

  • Überschwemmungen finden vorwiegend im zeitigen Frühjahr (nach Schneeschmelze) statt und dauern über mehrere Wochen bis Monate an.

  • Bei Überschwemmungen werden – im Gegensatz zu Auenwäldern – kaum anorganische Lockersedimente wie Sand und Schlick eingetragen und abgelagert.

  • Der Oberboden besteht aus einer mindestens 10 bis 20 Zentimeter mächtigen, vom Wald selbst erzeugten Torfschicht aus mehr oder weniger zersetztem Pflanzenmaterial.


Neben diesen idealtypischen Ausprägungen treten in der Landschaft Übergänge zu anderen Waldgesellschaften auf, die sich durch Abweichungen bestimmter exogener Standortfaktoren wie Basen- und Nährstoffversorgung, Anteil von mineralischem Substrat, Dauer von Überschwemmungen, Bewegtheit des Wasserkörpers, anthropogene Eingriffe (beispielsweise in den Wasserhaushalt) und anderes mehr ergeben und zu einer anderen Vegetationszusammensetzung führen.

Weitere Formen von Nasswäldern in Mitteleuropa sind unter anderem Auenwälder, Quellwälder und nasse Ausprägungen von Eichen-Hainbuchen- sowie Birken-Eichen-Wäldern. Bruchwaldähnliche Wälder, die aber beispielsweise nicht das Kriterium der entsprechenden Torfmächtigkeit erfüllen, werden im Naturschutz oft als „sonstige Sumpfwälder“ klassifiziert. Dies gilt selbst dann, wenn sowohl die dominierenden Baumarten als auch die Pflanzenarten der Krautschicht (siehe unten) denen von „echten“ Bruchwäldern gleichen.

Ein ungestörter Bruchwald wird als natürliche, azonale Waldgesellschaft verstanden, die ein stabiles Klimaxstadium der Vegetation unter diesen Standortbedingungen darstellt. Alle Gesellschaften von echten Bruchwäldern sind landschaftsökologisch als von Baumbewuchs geprägte Moore aufzufassen. Je nach der Hydrologie des jeweiligen Moortyps und der daraus resultierenden Basen- und Nährstoffversorgung handelt es sich um Formen minerotropher Niedermoore oder – hydrologisch mitunter aber gestörter – hauptsächlich regengespeister Übergangs- und Hochmoore. Insbesondere Letztere werden auch Moorwälder genannt und zeichnen sich durch mäßig bis stark saure Böden aus. Manche Autoren verwenden die Begriffe (Sauer-)Bruchwald und Moorwald synonym, andere differenzieren zwischen primärem Bruchwald und sekundärem Moorwald auf entwässerten Armmoor-Standorten.

Ein weitgehend unberührtes Bruchwaldgebiet ist der ehemalige Landkreis Elchniederung. Allein das Große Moosbruch umfasste 125 Quadratkilometer und galt als größtes geschlossenes Hochmoor Deutschlands.

Gefährdet sind Bruchwälder in Europa insbesondere durch Entwässerung und die anschließende land- oder forstwirtschaftliche Nutzung, wie beispielsweise die Aufforstung mit biotopfremden Baumarten (insbesondere Hybridpappeln). Eutrophierung ist als weitere Gefährdungsursache insbesondere der nährstoffarmen Untergesellschaften anzusehen, da hierbei starkwüchsige, nitrophile Stauden die konkurrenzschwächeren Moorpflanzen verdrängen.

Wichtiger Hinweis:

Dieser beschreibende Text basiert auf dem Artikel Bruchwald aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.