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Steckbrief
Rohrammer Emberiza schoeniclus

Die Rohrammer (Emberiza schoeniclus), auch Rohrspatz genannt, ist eine Vogelart aus der Familie der Ammern (Emberizidae). Sie ist ein Brutvogel von Europa und Nordafrika bis Ostasien und fehlt nur auf einigen Mittelmeerinseln. Sie ist besonders häufig in Schilf- und Seggengebieten anzutreffen. Sie ist in Mitteleuropa ein Teilzieher. Die meisten Vögel verlassen im Oktober/November Mitteleuropa und kehren im Februar und März zurück. Ihr Winterquartier reicht bis nach Nordafrika.

Rohrammern sieht man oft in ruckartigem Flug umherstreifen oder an erhöhter Stelle – häufig schräg an einem Halm – mit gespreiztem Schwanz sitzen, wenn sie ihren Gesang vortragen, der Anlass zu der Redensart schimpfen wie ein Rohrspatz gegeben hat. Der Ruf ist langgezogen und nachdrücklich hoch und rauer.

Beschreibung & Aussehen

Die Rohrammer erreicht eine Körperlänge von 13 bis 16 Zentimetern. Beim Männchen sind im Prachtkleid Kopf und Kehle schwarz, das auffallende, breite Nackenband ist weiß, der Rücken ist dunkelbraun gestreift, der Bürzel ist gräulich, die Unterseite ist gräulich-hell. Nach der Herbstmauser ist diese kontrastreiche Färbung durch graue Federsäume verdeckt und kommt im Verlauf des Winters nach Verschleiß der Federränder wieder zum Vorschein.

Das Weibchen ist braun gestreift mit schwarzweißem Bartstreif und einem hellen Überaugenstreif, die Unterseite heller. Es lässt sich auf dem Zuge nur schwer bestimmen, besonders, wenn man es allein antrifft.

Jungvögel gleichen dem adulten Weibchen. Die Nestlinge haben an Kopf, Oberkörper und Bauch zunächst recht lange rußschwarze Dunen. Der Rachen und die Zunge sind rosa, Zungenränder und -spitze dagegen weißlichrosa. Die Schnabelwülste sind gelblichweiß.

Stimme, Gesang & Ruf

Rohrammern sieht man oft in ruckartigem Flug umherstreifen oder an erhöhter Stelle – häufig schräg an einem Halm – mit gespreiztem Schwanz sitzen, wenn sie ihren Gesang vortragen, der Anlass zu der Redensart schimpfen wie ein Rohrspatz gegeben hat. Der Ruf ist langgezogen und nachdrücklich hoch und rauer.

Lebensraum

Die Rohrammer ist ein charakteristischer Vogel der Feuchtgebiete und lebt in mittleren bis großen Röhricht- und Schilfflächen, an Gewässerrändern mit Buschbestand, grasbewachsenen Sümpfen mit eingestreuten Büschen und im Weidendickicht in sumpfigen Wiesen. Im Herbst begibt sie sich manchmal auch auf abgeerntete Mais- und Getreidefelder, wo sie – oft gemeinsam mit Finken und Sperlingen – nach Nahrung sucht.

Auf dem Zug und in den Überwinterungsgebieten hält sie sich an Seeufern und in Feuchtgebieten auf. Sie ist jedoch auch häufig weitab von Gewässern anzutreffen und sucht auf Agrarflächen, auf Waldlichtungen und in Sanddünen nach Nahrung.

Nahrung & Jagdverhalten

Die Rohrammer ernährt sich vorzugsweise von Grassamen und zusätzlich im Sommer von kleinen Insekten, Schnecken und Würmern. Sie sucht überwiegend am Boden nach Nahrung und ist dann häufig in Röhrichtbeständen sowie auf feuchtem Grasland und Weiden zu beobachten. Gelegentlich sucht sie auch im unteren Bereich von Büschen und Bäumen, die am Gewässerufer stehen, nach Nahrung. Während der Nahrungssuche ist die Rohrammer sehr bewegungsfreudig. Gelegentlich fängt sie sogar im Flug Insekten. Sehr häufig baumt sie auf einer freistehenden Warte auf.

Während der Fortpflanzungszeit ernährt sich die Rohrammer überwiegend von Wirbellosen. Eine besondere Rolle spielen dabei Zweiflügler, Raupen, Käfer, Spinnen, Libellen und Springschrecken. Nach der Fortpflanzungszeit dominieren Samen von Gräsern, Wirbellose werden aber noch opportunistisch gefressen.

Fortpflanzung, Balz & Brut

Die Balz besteht größtenteils aus einer schnellen Verfolgungsjagd, die häufig in einer heftigen Balgerei endet. Um dem Weibchen zu imponieren, richtet das Männchen gelegentlich seinen auffallend weißen Kragen auf, der in starkem Kontrast zum schwarzen Kopf steht.

Rohrammern brüten am Rande von Schilf- und Röhrichtbeständen, in Ufergebüschen und seltener auch fernab von Wasser in hoher dichter Vegetation wie beispielsweise Rapsfeldern. Das napfförmige Nest wird so errichtet, dass es in der Vegetation gut verborgen ist. Es befindet sich entweder dicht am Boden unter überhängendem Altgras oder bis zu einem Meter hoch in einem Busch. Am Bau ist nur das Weibchen beteiligt, das dabei vom Männchen begleitet wird. Es verbaut Gras, Seggen, Binsen und Moos. Die eigentliche Nistmulde wird mit feinem Gras, Tierhaaren und Schilfrispen gepolstert.

Das Gelege umfasst meist 4–6 Eier. Die Eier sind wie viele Ammerneier mit eigenartigen Schnörkeln und Kritzeleien auf veränderliche Grundtönung gezeichnet. Die Brutzeit beträgt 12–14 Tage, es brütet allein der weibliche Elternvogel.

Jungvögel & Aufzucht

Die Nestlingszeit dauert zwischen 12 und 15 Tagen. Brutsaison ist von April bis Juli. In Mitteleuropa und Großbritannien ziehen Rohrammern in der Regel zwei Bruten groß, in Skandinavien dagegen meistens nur eine Jahresbrut.

Manche Männchen sind nicht monogam, sondern betreuen mehrere Nester, in denen jeweils ein Weibchen auf seiner Brut sitzt. Um die Aufmerksamkeit von Fressfeinden von ihrem Nest abzulenken, verleiten Rohrammern d. h., sie flattern wie flügellahm am Boden entlang – eine Finte, die kleine, auf erhöhten Warten sitzende Vögel sonst üblicherweise nicht anwenden.

Der Reproduktionserfolg von Rohrammern ist nicht sehr hoch, sehr viele Gelege fallen Prädatoren zum Opfer. Bei einer in England durchgeführten Studie flogen von 100 Nestern nur zwanzig Jungvögel aus. Aus insgesamt 1846 Eiern, die gelegt wurden, schlüpften nur 67 Prozent Nestlinge und dreißig Prozent von diesen wurden flügge.

Wichtiger Hinweis:

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