Steckbrief
Winterling Eranthis hyemalis

Der Winterling (Eranthis hyemalis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Winterlinge (Eranthis) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Er wird gerne in Gärten und Parks angepflanzt und ist eine der ersten Frühlingsblumen. Der Gattungsname Eranthis kommt aus dem griechischen und setzt sich aus den Begriffen er für Frühling und anthos für Blüte zusammen. Das Artepitheton hyemalis ist lateinischen Ursprungs, bedeutet winterlich und nimmt ebenso wie die Gattungsbezeichnung auf die frühe Blütezeit Bezug.

Beschreibung & Aussehen

Der Winterling wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 20 Zentimetern. Als Speicher- und Überdauerungsorgan dient eine in der Erde liegende kugelförmige Sprossknolle, die aus dem Hypokotyl gebildet wird. Hinsichtlich seiner Lebensform zählt er daher zu den Geophyten. Die grundständigen Laubblätter entspringen einzeln der Knolle, wobei pro Blütenstandsschaft meist nur ein Laubblatt entwickelt wird. Sie sind langgestielt, besitzen eine rundliche Form und sind 3-7-teilig. Sie erscheinen gewöhnlich nach der Blütezeit.
Die Blütezeit reicht im Vorfrühling von Februar bis März. Die radiärsymmetrischen und zwittrigen Blüten stehen einzeln am Ende eines relativ dicken, unbehaarten, grün bis rotbraunen Stängels, der am Grund von Niederblättern umgeben ist. Dicht unter jeder Blüte befindet sich eine Hülle aus drei quirlartig sitzenden, geschlitzten Hochblättern, die auch als Involucrum bezeichnet wird. Funktionell entsprechen sie dem nicht vorhandenen Kelch und übernehmen somit dessen Schutzfunktion für die sich entwickelnde Blüte. Das Perigon besteht aus meist sechs, seltener fünf bis acht, gleich gestalteten, glänzend gelben Blütenhüllblättern. Sie sind schmal-eiförmig geformt und meist ganzrandig. Ihre Länge misst 10 bis 15 (22) Millimeter, der Blütendurchmesser beträgt etwa 2,5 Zentimeter. Etwa 17 bis 38 (durchschnittlich 29) Staubblätter sind spiralig auf der verlängerten Blütenachse angeordnet. Sie sind kürzer als die Blütenhüllblätter. Zwischen den Blütenhüllblättern und den Staubblättern befinden sich meist sechs gestielte, tütenförmige und zweilippig ausgestaltete, etwa 6 mm lange Nektarblätter. Die vier bis acht Fruchtblätter sind unverwachsen (chorikarpes Gynözeum). Den kurzen Griffel schließt eine Narbe ab.

Analog zur Anzahl der Fruchtblätter entstehen nach erfolgreicher Befruchtung pro Blüte vier bis acht braune Balgfrüchte, die miteinander verbunden sind und so in einer Sammelbalgfrucht zusammengefasst sind. Der Fruchtstiel ist bis 10 Millimeter lang. Die durch den Griffelrest geschnäbelten Balgfrüchte messen im Reifezustand bis 15 Millimeter. Sie enthalten mehrere braune und etwas kantige, circa 2,5 Millimeter lange Samen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.

Der Winterling ist bei Verzehr giftig, insbesondere die Knollen sind stark giftig.

Die Hauptwirkstoffe sind Herzglykoside aus der Gruppe der Bufadienolide, Eranthin A und B.

Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit, Erbrechen, Koliken, unregelmäßiger, verlangsamter Puls, Herzschwäche, Sehstörungen, Atemnot, bei letaler Dosis Herzstillstand im Kollaps.

Ökologie

Wie bei allen Frühjahrsgeophyten ziehen die oberirdischen Pflanzenteile zum Sommer hin ein. Die Pflanze überdauert bis zum Neuaustrieb im kommenden Jahr mittels der im Boden liegenden Knolle, in der die Nährstoffe hierfür gespeichert werden.

Die Blütenbildung tritt erstmals 3 bis 5 Jahre nach der Aussaat ein. Wir haben es mit einem Frühjahrsblüher und einem Schneeblüher zu tun. Untersuchungen zeigten, dass Temperatureinbrüche und Schneefall zu Beginn der Blütezeit sich hemmend auf das Aufblühen neuer Blüten auswirkte, jedoch die Blüten nicht schädigte. Blütenökologisch handelt es sich um homogame „Nektar führende Scheibenblumen“. Die Blüten sind nur bei Sonnenschein geöffnet, abends schließen sie ab 19 Uhr oder früher. Das Öffnen und Schließen der Blüten ist ein temperaturabhängiger Wachstumsprozess; es liegt eine sogenannte Thermonastie vor. Bestäuber sind Fliegen, besonders aber Bienen und Hummeln. Der Nektar ist aber nur letzteren zugänglich, weil dafür mindestens ein 2 mm langer Rüssel erforderlich ist. Der Duft wird von den Nektarblättern und den Staubblättern abgegeben. Auch Selbstbestäubung ist möglich, sie ist aber wenig erfolgreich. Der Winterling liefert als eine der ersten Pflanzenarten im Jahr Nektar und Pollen. Untersuchungen in Polen zeigten, dass etwa 1,23 mg Nektar pro Blüte produziert wird und dieser eine Zuckerkonzentration von ungefähr 72 % aufweist. Steigt die Temperatur an sonnigen Wintertagen auf 10 bis 12 °C, so kann man an den Blüten die ersten Bienenanflüge beobachten.

Fruchtreife ist von Mai bis Juni. Die Balgfrüchte sind auf der Innenseite wasserabstoßend, und sie stellen beim Öffnen ein schaufelförmiges Gebilde dar. Da der Blütenschaft sehr elastisch ist, werden die Samen beim Aufschlag von Regentropfen herausgeschleudert (es liegt ein Regenballist vor) und dann durch das Regenwasser (als Regenschwemmling) weiter ausgebreitet, bei heftigem Regen ist eine Schleuderweite von 40 cm und mehr möglich. Die letzten Samen werden ausgestreut, wenn die trocken gewordenen, ganzen Stängel vom Wind verweht werden. Die Embryonen in den Samen gelangen erst nach deren Ausstreuen zur Entwicklung. Die Samen sind Kältekeimer. Vegetative Vermehrung kann in Kultur durch Teilung der Knollen erfolgen.

Vorkommen

Die ursprüngliche Heimat des Winterlings reicht von Südostfrankreich über Italien und Ungarn bis nach Bulgarien und in die Türkei, wo der Winterling vor allem in feuchten Laubwäldern und in Gebüschen und Weinbergen wächst. In West- und Zentraleuropa sowie in Nordamerika ist der Winterling ein eingebürgerter Neophyt.

In Mitteleuropa kommt er örtlich in Weinbergen oder in lichten Gebüschen verwildert vor, beispielsweise in Thüringen bei Jena, mehrfach in Baden-Württemberg und im Schweizer Jura bei Solothurn; an den genannten Orten bildet er mitunter größere Bestände. Sonst ist er gelegentlich unbeständig aus der Kultur ausgebrochen und wächst so in Mitteldeutschland vom Rheinland bis nach Sachsen, wobei dann meist nur in der Nähe von Gartenanlagen wenige Pflanzen zu finden sind. Der Winterling gilt somit in Deutschland als Stinsenpflanze.

Der Winterling gedeiht am besten auf nährstoffreichen, lockeren Lehmböden und eher im Halbschatten als im vollen Licht.

In Mitteleuropa ist er eine Charakterart der Assoziation Weinbergslauch-Gesellschaft (Geranio-Allietum) im Verband der Erdrauch-Wolfsmilch-Gesellschaften (Fumario-Euphorbion), kommt aber auch in Gesellschaften der Ordnung Prunetalia (Gebüsche und Hecken) vor. In Südosteuropa ist er eine Charakterart der Verbände Auwald (Alno-Ulmion) und Eichen-Hainbuchen-Wälder (Carpinion betuli).

Die Verwendung des Winterlings als Zierpflanze im Garten begann in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Aus Kräuterbüchern weiß man, dass er bereits 1588 von Joachim Camerarius in dessen Garten in Nürnberg kultiviert wurde. Camerarius hatte diese Pflanze von einer Italienreise mitgebracht. In den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts wurde der Winterling in den Pflanzenverzeichnissen diverser Gärten aufgeführt. Populär wurde diese Pflanzenart, als gegen Ende des 18. Jahrhunderts großzügig angelegte Landschaftsparks in Mode kamen. Der Winterling eignete sich gut für die Verpflanzung in weitläufigen Wiesen. Diese Zierpflanze verwilderte aus Parkanlagen, in klimatisch begünstigten Gebieten breitete sie sich stark aus.

Wichtiger Hinweis:

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