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Steckbrief
Sturmmöwe Larus canus

Kurzinfos & Fakten

Größe
40 – 45 cm
Gewicht
durchschnittlich 430 g
Alter
bis 33 Jahre und acht Monate möglich
Flügelspannweite
100 – 130 cm
Nahrung
Regenwürmer, Watt- oder Seeringelwürmer, Insekten, Käfer, aquatische oder terrestrische Wirbellosen, kleine Fische, Getreide, Früchte, Vögel, Eier, kleine Säugetiere
Feinde
Greifvögel, Raubvögel, Fuchs, Marder
Geschlechtsreife
nach durchschnittlich 3 Jahren
Brutzeit
April / Mai
Eier / Gelege
2 - 3 Eier
Brutdauer
23 - 28 Tage
Zugverhalten / Wanderungen
Zugvogel
Rote Liste / Gefährdung
Ungefährdet

Die Sturmmöwe (Larus canus) ist eine Vogelart aus der Familie der Möwen (Laridae) und die kleinste Art der Gattung Larus. Ihre Verbreitung liegt vorwiegend in den gemäßigten Breiten und reicht durch ganz Eurasien sowie über die Beringstraße hinweg im Nordwesten Nordamerikas von Alaska bis Zentralkanada. Im Ostteil Nordamerikas wird die Art ökologisch durch die sehr ähnliche, etwas größere und nahe verwandte Ringschnabelmöwe ersetzt. Die amerikanische Unterart wird von manchen Autoren auch als eigene Art angesehen.

Die Sturmmöwe brütet meist in kleineren Kolonien von bis zu 50 Paaren, es kommen jedoch an der Küste bisweilen auch größere mit mehreren tausend Paaren vor. Das Nest wird meist am Boden errichtet, kann aber auch erhöht liegen und sogar Baumnester kommen vor. Wie die meisten Möwen ernährt sich die Art omnivor. Die größten Brutbestände finden sich in Küstengebieten, aber auch Flusslandschaften, Moore und Sümpfe im Binnenland werden besiedelt. Während in Europa viele Vögel im Winter nur kurze Strecken wandern oder in den Brutgebieten verbleiben, ziehen die Vögel im übrigen Verbreitungsgebiet regelmäßig auch weiter. Dabei ziehen die Vögel des mittleren Eurasiens südwestwärts und überwintern zum Teil im Bereich des östlichen Mittelmeeres.

Der Bestand der Sturmmöwe hat in Europa während des zwanzigsten Jahrhunderts wie der vieler anderer Möwen stark zugenommen, war gegen Ende desselben aber in leichtem Rückgang begriffen. Die Art ist jedoch nicht bedroht.

Beschreibung & Aussehen

Die Sturmmöwe ist mit 40–45 cm Körperlänge und einer Flügelspannweite von 100–130 cm etwas größer als eine Lachmöwe und deutlich kleiner als eine Silbermöwe. Sie ist sozusagen eine zierlich gebaute Ausgabe der größeren Larus-Arten. Im Vergleich zur Silbermöwe erscheint der Kopf rundlicher, der Schnabel feiner, die Flügel schmaler. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zwischen jeweils ausgewachsenen Tieren ist die völlig andere Augenfarbe. Im Sitzen wirkt bei der Sturmmöwe die Brust gewölbt, der Hinterleib schlank. Der Flug wirkt gemächlich mit kraftvollen Flügelschlägen; im Gleitflug werden die Flügel etwas angewinkelt. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Junge Sturmmöwen sind ab dem dritten Jahr voll ausgefärbt.

Bei adulten Vögeln im Brutkleid sind Schnabel und Beine gelb; die Färbung variiert individuell zwischen orangegelb und grünlich gelb. Die Iris ist braun, das Auge von einem roten Orbitalring umgeben. Kopf, Hals, Unterseite, Bürzel und Schwanz sind rein weiß. Die Oberseite ist bläulich grau. Der Flügel weist wie bei allen Larus-Arten einen breiten, weißen Hinterrand auf. Die Flügelspitze ist schwarz mit einem weißen, subterminalen Spiegel auf den äußeren Schwingen und weißen Spitzen. Die Schwarzfärbung reicht über die äußeren sechs Handschwingen und die Ausdehnung nimmt zum Armflügel hin ab, so dass sie auf der fünften Handschwinge nur noch auf ein subterminales Band beschränkt ist. Beim sitzenden Vogel fallen die weißen Spitzen der Handschwingen, die den Schwanz um 5–7 cm überragen, als feine weiße Punkte auf. Ebenfalls auffällig sind beim sitzenden Vogel die breiten, weißen Spitzen der Schirmfedern.

Im adulten Schlichtkleid ist der Kopf verwaschen graubraun gestrichelt. Die Strichelung ist auf dem Scheitel und am Auge verdichtet; außerdem wird sie im Nacken gröber und wirkt hier oft streifig. Der Schnabel ist blass gelblich bis hell blaugrau und zeigt auf dem vorderen Teil eine schmale, schwarze Binde, die jeweils auf Ober- und Unterschnabel etwas zur Spitze hin gebogen ist, so dass sie z-förmig erscheint. Die Beine sind grünlichgelb.

Stimme, Gesang & Ruf

Die Sturmmöwe ist vor allem zur Brutzeit recht ruffreudig und weist wie alle Möwen ein breites Rufrepertoire auf. Der Hauptruf ist ein helles, manchmal leicht quiekendes und nasales kiä oder kia, das weniger kräftig und höher ist, als der entsprechende Ruf der Silbermöwe, und bei Erregung gereiht werden kann. Das Jauchzen ist höher, im Mittelteil oft schriller und schneller. Der als Stimmfühlungs- und Kontaktruf geäußerte „Katzenruf“ (mew call) wird als weiches, leises, teils jaulendes oder manchmal vibrierendes oiiiie beschrieben. Als Alarmruf wird ein staccatoartiges, tiefes gä gä gä oder wä wä wä geäußert. Der Bettelruf des Weibchens bei der Balz ist ein hohes, feines kliä; bei der oft folgenden Begattung ist ein an- und abschwellendes, tiefes Gackern zu vernehmen.

Lebensraum

Die Sturmmöwe ist im Hinblick auf ihren Lebensraum sehr anpassungsfähig und brütet sowohl an der Küste, als auch – meist aber in geringeren Zahlen – an Binnengewässern oder in Sümpfen und Hochmooren. Koloniestandorte müssen trocken und relativ sicher vor Bodenfeinden sein, niedrigen bis schütteren Bewuchs und mindestens in der weiteren Umgebung geeignete Nahrungsgründe aufweisen. Für letztere werden teils beachtliche Flugstrecken in Kauf genommen, größere Kolonien liegen aber meist in der Nähe von Grün- oder Ackerland.

In den naturnahen Lebensräumen Russlands brütete die Sturmmöwe um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert bevorzugt an sumpfigen Seeufern oder Flussarmen, in Steppensümpfen, auf Sandbänken in Flüssen oder auf gewässernahen Sandebenen. Ähnliches wird aus Nordamerika berichtet, wo die Art zur Brutzeit in der Tundra, in Sümpfen und an Binnengewässern aller Art vorkommt.

An der Ostsee findet sich die Sturmmöwe als Brutvogel vor allem auf vorgelagerten Inseln, Halbinseln und Nehrungen, an der Nordsee in Dünen, auf Salzwiesen und Halligen, seltener auf Spülflächen. Eine große Brutkolonie findet sich auf einer Insel der Unterelbe. Im Norden der Britischen Inseln werden im Binnenland häufig Deckenmoore, gelegentlich Kiesbänke in Flüssen, sehr selten auch Steilküsten als Brutplatz angenommen. Die Höhenverbreitung reicht hier teils bis 900 m. In Skandinavien brütet die Art teils in der sumpfigen Tundra, wie beispielsweise in der Hardangervidda, wo auf 1332 m die höchsten Brutplätze liegen. Felstundra wird jedoch allgemein gemieden.

Im mitteleuropäischen Binnenland zeigt sich die Sturmmöwe nicht selten als Kulturfolger und brütet an Kiesgruben, in Braunkohlerevieren, an Fischteichen oder Baggerseen.

Außerhalb der Brutzeit ist die Art vor allem im Bereich der Küste, seltener auch im Binnenland zu finden. Meist stellen das Litoral, größere Gewässer und Flussmündungen die Schlafplätze, von denen aus die Nahrungsgründe aufgesucht werden. Bei diesen ist im Unterschied zur Lachmöwe eine Bevorzugung insgesamt trockenerer Flächen wie Grün- oder Ackerland festzustellen. Im Watt findet sich die Sturmmöwe vorwiegend auf sandigen oder festen Flächen. Auch an Mülldeponien ist sie zu beobachten, seltener aber an Kläranlagen oder Abwasserkanälen wie die Lachmöwe

Nahrung & Jagdverhalten

Wie auch andere Möwen ernährt sich die Sturmmöwe omnivor und weist eine breite Palette an Verhaltensweisen bei der Nahrungssuche auf. Hierbei steht sie schwerpunktmäßig zwischen Silber- und Lachmöwe. Während erstere eher überreiche Nahrungsquellen nutzt, sammelt die Sturmmöwe auch häufig kleine und breit verteilte Nahrung auf, ist aber viel seltener als die Lachmöwe schwimmend, gründelnd oder im niedrigen Suchflug bei der Nahrungssuche anzutreffen; auch Stoßtauchen kommt nur selten vor. An Mülldeponien steht sie meist hinter Großmöwen zurück und ist daher dort oft nur in kleineren Zahlen zu finden.

Generell besteht die Nahrung aus Regenwürmern, Watt- oder Seeringelwürmern, Insekten (vor allem Käfern), anderen aquatischen oder terrestrischen Wirbellosen, kleineren Fischen, Getreide oder Früchten. Auch Vögel, Eier und kleine Säugetiere zählen zum Beutespektrum. Nahrungsspektrum und -zusammensetzung können sich jahreszeitlich, vor allem aber regional sehr stark unterscheiden.

In Europa, aber teils auch in Nordamerika ist die Art häufig im Kulturland zu finden, wo sie beim Pflügen auf Äckern oder auf Viehweiden schreitend nach Insekten und deren Larven sucht. In der Nachbrutzeit wird die Nahrung oft im Watt gesucht. In Jahren mit Wühlmaus-Gradationen können diese vor allem zur Brutzeit einen Großteil der Nahrung stellen. In manchen Moorgebieten hängen die Bestandszahlen sogar stark vom Wühlmausaufkommen ab. Die Nager werden aus dem Rüttelflug heraus überrascht, durch Schnabelhiebe auf den Kopf getötet, durchs Wasser geschwenkt und so lange gewalkt bis sie im Ganzen verschlungen werden können.

In British Columbia wurden an Binnenseen Signalkrebse als Nahrung festgestellt, an der Küste fängt die Sturmmöwe in Gezeitentümpeln Fischarten wie die Zwerggrundel Lepidogobius lepidus oder den Nördlichen Bootsmannfisch, im Meer den Pazifischen Hering oder Lachse. Im Baltikum wurden bis zu 73 % Fisch als Nahrung festgestellt und auch an der Weißmeerküste scheint Fisch die Hauptnahrung zu bilden.

Vor allem im Winter lebt die Art von Kleptoparasitismus und Mülldeponien; in Alaska stellen die letzteren manchmal die Nahrungsgrundlage größerer Kolonien dar.

Fortpflanzung, Balz & Brut

Die Sturmmöwe brütet meist in kleineren Kolonien von bis zu 50 Paaren. Auch große Kolonien mit über 1000 Brutpaaren kommen vor, diese gibt es aber in Mitteleuropa nur an sehr wenigen Standorten. Einzelbrutpaare schließen sich oft Silber- oder Lachmöwenkolonien an.

Junge Vögel schreiten im Alter von zwei bis vier Jahren zum ersten Mal zur Brut, die meisten (etwa 60 %) jedoch im Alter von drei Jahren. Sturmmöwen führen eine monogame Saisonehe, die aufgrund der hohen Brutplatz- und Partnertreue der Männchen oft zu einer langjährigen Dauerehe wird. Die Partner verbringen den Winter jedoch immer getrennt. Neuverpaarungen kommen ebenfalls nicht selten vor; auch wenn beide Partner noch leben.

Die Kolonie wird ab April besetzt. Zunächst erfolgt dies noch zögerlich und durch kleinere Trupps, dann trifft der überwiegende Teil des Brutbestands innerhalb weniger Tage ein. Dennoch kann es sich noch bis Ende Mai oder Anfang Juni hinziehen, bis die Kolonie vollständig besetzt ist. Die Vögel übernachten zunächst meist nicht in der Kolonie, sondern kehren noch zu ihren Schlafplätzen zurück. Erst nach Beginn des Nestbaues bleiben sie auch nachts in der Kolonie.

Manchmal erfolgt bei langjährigen Paaren die Paarbildung schon vor Ankunft am Brutplatz; zum Teil finden die Partner aber erst zeitlich versetzt dort ein. Männchen gründen dann ein Revier, Weibchen verhalten sich nicht-territorial. Neue Paare finden sich im „Klub“, einer lockeren Ansammlung noch unverpaarter Vögel in unmittelbarer Nähe einer Kolonie.

Das Männchen sucht den Nistplatz aus und sehr häufig handelt es sich bei diesem um den des Vorjahres. Er muss möglichst sicher vor Bodenfeinden, Witterung und Überflutung sein. Meist steht das Nest an wenig bewachsenen Standorten am Boden, insbesondere im Zentrum einer Kolonie aber auch an erhöhten Standorten. Bodennester befinden sich an unzugänglichen Stellen wie Inselchen, Bülten, Landzungen, Dämmen oder Schwingrasen. Nester in erhöhten Positionen auf Felsblöcken und Baumstubben, in Kopfweiden oder Pappeln (seltener auch in anderen Laubbäumen), in Büschen, niedrigen Nadelbäumen oder in toten Bäumen. Baumnestern werden manchmal selbst errichtet, öfter werden aber alte Krähen- oder Elsternester angenommen. Diese stehen oft in Höhen zwischen 6 und 7 m.

Das Nest ist ein flacher Bau aus Pflanzenmaterial, der je nach Verfügbarkeit des Nistmaterials unterschiedlich umfangreich ausfallen kann. Der Durchmesser liegt zwischen 20 und 30 cm, die Mulde ist 12–20 cm breit und meist 2–5 cm tief. Müssen Unebenheiten im Boden ausgeglichen werden, kann das Nest aber auch sehr umfangreich sein. Als Nistmaterial werden feine, weiche oder zumindest biegsamen, oft nasse Pflanzenteile wie Gräser, Binsen, Kräuter, Wurzeln, Moose, Flechten oder verschiedene Fasern verwendet; nur selten auch sparrige Halme. Nur das Weibchen baut, das Männchen schafft das Nistmaterial aus der näheren Umgebung herbei. Oft werden Nester vom Vorjahr wieder in Stand gesetzt.

Jungvögel & Aufzucht

Etwa vierzehn Tage nach dem Beginn des Nestbaus erfolgt die Eiablage. Diese liegt in Mitteleuropa meistens zwischen der letzten April- und der ersten Maidekade. Weiter im Norden und in Gebirgsregionen auch später bis in den Juni hinein.

Das Gelege besteht aus zwei oder drei, seltener ein oder vier Eiern, die auf braunem oder olivfarbenem Grund unregelmäßig schwarz bis hellbraun gefleckt und etwa 57 × 41 mm groß sind.

Nach Ablage des letzten oder vorletzten Eies wird das Gelege von beiden Partnern zwischen 23 und 28 Tagen bebrütet. Die Jungen verlassen das Nest ab dem Alter von 4 Tagen und können nach 28–33 Tagen fliegen. Sie werden von beiden Eltern gefüttert.

Wichtiger Hinweis:

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