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Steckbrief
Reh Capreolus capreolus

Das Reh (Capreolus capreolus), zur Unterscheidung vom Sibirischen Reh auch Europäisches Reh genannt, ist die in Europa häufigste und kleinste Art der Hirsche. Als Trughirsch ist es näher mit Ren, Elch und dem amerikanischen Weißwedelhirsch verwandt als mit dem in Mitteleuropa ebenfalls heimischen Rothirsch.

Das Reh besiedelte ursprünglich Waldrandzonen und -lichtungen. Es hat sich aber erfolgreich eine Reihe sehr unterschiedlicher Habitate erschlossen und kommt mittlerweile auch in offener, fast deckungsloser Agrarsteppe vor. Aufgeschreckte Rehe suchen gewöhnlich mit wenigen, schnellen Sprüngen Schutz in Dickichten, es wird deswegen und aufgrund einiger morphologischer Merkmale dem sogenannten „Schlüpfertypus“ zugerechnet. Rehe sind Wiederkäuer und werden als Selektierer bezeichnet, da sie bevorzugt eiweißreiches Futter äsen. Während des Sommerhalbjahrs lebt das Reh überwiegend einzeln oder in kleinen Gruppen, bestehend aus einer Ricke und ihren Kitzen, im Winter bilden sich Sprünge, die meist mehr als drei oder vier Tiere umfassen. Rehe, die in der offenen Agrarlandschaft leben, bilden Sprünge von mehr als zwanzig Individuen.

Das Reh unterliegt dem Jagdrecht und wird dort dem Schalenwild und dem Niederwild zugeordnet. Die Jagdstrecke beträgt allein auf dem Gebiet Deutschlands jährlich mehr als eine Million Stück. In der landwirtschaftlichen Wildhaltung spielt es auf Grund seiner Verhaltensmerkmale keine Rolle.

Das Reh wurde durch die Deutsche Wildtier Stiftung als Tier des Jahres 2019 ausgewählt.

Beschreibung & Aussehen

Ausgewachsene Rehe haben eine Körperlänge von 93 bis 140 Zentimeter und erreichen eine Schulterhöhe zwischen 54 und 84 Zentimeter. Sie wiegen je nach Ernährungszustand zwischen 11 und 34 Kilogramm. Tendenziell steigt das Gewicht von Südwesten nach Nordosten, von tiefen in höhere Lagen und von wärmeren zu kälterem Klima.So wiegen Ricken im Südwesten Spaniens durchschnittlich 17,1 und im Norden Spaniens 23,2 Kilogramm. In Norwegen erreichen Ricken dagegen ein durchschnittliches Gewicht von 28,8 Kilogramm. Einen ausgeprägten Sexualdimorphismus gibt es bezogen auf die Körpermaße nicht. Weibliche Rehe tragen kein Geweih.

Auf Grund mehrerer Merkmale wird das Reh dem sogenannten „Schlüpfertypus“ zugerechnet. Anders als der Rothirsch, der bei Beunruhigung mit schnellem, ausdauerndem Lauf flüchtet und der dem Läufertypus zugeordnet wird, sucht das Reh bei Beunruhigung mit wenigen schnellen Sprüngen Deckung im Dickicht. Es hat eine leicht gekrümmte und nach vorn abfallende Wirbelsäule, wodurch die Kruppe höher liegt als der Widerrist. Das Geweih des Bocks ist verhältnismäßig klein. Die keilförmige Körperform ist dem lautlosen Durchwinden von dichter Vegetation angepasst. Die Beine sind im Verhältnis zum Rumpf zierlich und lang, die Hinterläufe sind im Sprunggelenk stark eingeknickt.

Der Kopf ist im Verhältnis zur Körperlänge kurz, im Profil wirkt er fast dreieckig. Die Ohren sind lang-oval und zugespitzt und entsprechen in ihrer Länge etwa zwei Dritteln der Kopflänge. Die Iris ist schwarzbraun mit einer quer gestellten Pupille. Der Hals ist schlank und länger als der Kopf. Das Haarkleid besteht aus Leithaaren, Grannenhaaren und Wollhaaren. Grannen- und Leithaare bilden die Deckhaare, darunter liegen die sehr dünnen und stark gekräuselten Wollhaare. Das Haarkleid ist im Sommer auf der Körperoberseite und den Außenseiten des Körpers glänzend, wobei die Färbung individuell von einem dunklen Braunrot bis zu einem Fahlgelb variieren kann. Die Innenseite der Läufe und der Unterbauch sind heller und gelblicher. Die Region um den After, der sogenannte Spiegel, hebt sich vom übrigen Fell ab und ist gewöhnlich von gelblich weißer Farbe. Böcke haben am Kinn und an jeder Seite der Oberlippe einen kleinen weißen Fleck, auch oberhalb der Nasenpartie ist häufig ein weißer Fleck ausgebildet. Die Ohren sind bei beiden Geschlechtern auf der Außenseite braungrau mit einem dunklen bis schwarzen Rand, innen ist das Ohr dagegen hellgrau bis weiß.

Der Übergang vom Sommer- zum Winterhaarkleid erfolgt im September und Oktober. Er verläuft zunächst unauffällig, weil die roten Sommerhaare das wachsende graue Winterhaar lange optisch überdecken. Der für einen Beobachter erkennbare Haarwechsel verläuft dagegen sehr schnell und ist bei gesunden Rehen innerhalb einer Woche abgeschlossen. Im Winter variiert die Farbe des Haarkleides zwischen Hell- und Dunkelgrau. Auch im Winterhaarkleid ist die Körperunterseite heller als die Körperoberseite. Der Wechsel vom Winter- ins Sommerkleid erfolgt in Mitteleuropa im Zeitraum von März bis April. Die Sommerhaare sind zuerst am Kopf sichtbar, dann auf dem Widerrist. Im Winter ist das einzelne Haar hohl, was der besseren Isolierung durch Lufteinschluss dient.

Das Fell der Rehkitze ist rotbraun und weist zunächst eine weiße Punktierung auf dem Rücken und auf den Flanken auf. Diese weiße Fleckenzeichnung wird ab einem Alter von einem Monat allmählich undeutlicher und verschwindet bis zum Alter von zwei Monaten durch das Überwachsen durch rote Sommerhaare. Unter dem langen roten Haaren sind die weißen und braunen Kitzhaare noch bis zum Wechsel in das Winterhaarkleid vorhanden.

Nur die Böcke tragen ein Geweih. In der Jägersprache wird das Geweih der Rehe auch als Gehörn, im süddeutsch-österreichischen Sprachraum auch als Krickl bezeichnet. Es besteht aus zwei runden bis ovalen Stangen, die bei Böcken in Mitteleuropa durchschnittlich eine Länge von 15 bis 20 Zentimeter erreichen. Im Normalfall weist jede Stange eines normal entwickelten, älteren Bockes drei Enden auf: Eine sogenannte Vordersprosse sowie das eigentliche Stangenende, auch Mittelsprosse genannt, und eine in der Höhe zwischen beiden liegende Hintersprosse. Die wichtigste biologische Funktion dieses Geweihes liegt im Ausfechten und Verteidigen der Rangordnung. Die mit Duftdrüsen versehenen Kolbenenden produzieren außerdem bis zum Fegen der Basthaut ein Sekret, das an der Vegetation abgestreift wird. Da das Geweih eine Überschussproduktion des Körpers ist, spielen bei seiner Entwicklung neben dem Alter der Böcke äußere Faktoren wie die Ernährung eine Rolle. Erst nach dem Abschluss der körperlichen Entwicklung des Bocks kann die Geweihentwicklung ihren Höhepunkt erreichen. In der Regel erreichen Geweihmasse und -volumen ihr Maximum bei fünfjährigen Böcken. Das Geweih kann dann bis zu 600 Gramm wiegen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Böcke mit stärkerem Geweih von den Ricken bevorzugt werden.

Bereits drei Monate alte Bockkitze entwickeln mit Beginn der Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron auf den Stirnbeinen Fortsätze, die Rosenstöcke genannt werden. Diese Stirnzapfen haben ohne Ernährungsmängel der Kitze im September/Oktober eine Länge von 30 Millimeter und einen Durchmesser von bis zu 10 Millimeter erreicht. Sie sind noch von Haut, nicht von Bast umgeben. Diese Haut wird im Zeitraum Dezember bis Januar abgescheuert, so dass die Spitzen dieses Erstlingsgeweihs freiliegen. Bereits kurz darauf erfolgt der Abwurf und die Bildung des Folgegeweihs setzt ein. Das Geweih einjähriger Böcke ist normalerweise als einfacher, unverzweigter Spieß ausgebildet. Seltener kommen bereits bei Einjährigen die für zwei- und mehrjährige Böcke typischen Stangen mit jeweils zwei beziehungsweise drei Sprossen vor. Böcke, die älter als fünf Jahre sind, sind zunehmend nicht mehr in der Lage, die für den Geweihaufbau notwendigen Aufbaustoffe vollständig abzugeben, da sie mehr Mineralien verbrauchen als sie aufnehmen. Dabei spielen die wegen der Abnutzung der Zähne zunehmend schlechtere Ernährung sowie möglicherweise auch eine nachlassende Funktionsfähigkeit des endokrinen Drüsensystems eine Rolle.

Bei Böcken, die mindestens das erste Lebensjahr abgeschlossen haben, fällt das Geweih jährlich in der Zeit von Oktober bis November ab und beginnt unter einer schützenden und nährenden Basthaut sofort neu zu wachsen. Die Wachstumsphase des Geweihs währt etwa 60 Tage und endet im Januar. Bei in Gattern gehaltenen Böcken hat man ein tägliches Geweihwachstum von etwa drei Millimetern festgestellt. Das energiezehrende Schieben eines Geweihs in der verhältnismäßig äsungsarmen Winterzeit ist bei Hirschen sehr selten und kommt nur noch beim Sibirischen Reh und beim ostasiatischen Davidshirsch vor.

Die Basthaut stirbt nach Abschluss der Geweihbildung ab und wird vom Bock durch Fegen an Büschen und jungen Bäumen von der verbleibenden Knochenmasse entfernt. Böcke, die mindestens zwei Jahre alt sind, fegen in Mitteleuropa ihre Geweihe während der zweiten Märzhälfte und damit noch bevor sie in das Sommerkleid wechseln. Einjährige Böcke fegen dagegen ihr Geweih sieben bis acht Wochen später, wenn sie bereits das Sommerkleid tragen. Frisch gefegte Geweihe sind weiß oder vom anhaftenden Blut leicht gerötet. Durch das Fegen an Bäumen und Sträuchern dringen Rinden- und Pflanzensäfte in die Poren der Stangen ein, dadurch erhält das Geweih seine Farbe. Böcke, die ihr Geweih an Erlen und Nadelhölzern fegen, haben tendenziell sehr dunkle Geweihe, bei den sogenannten Feldrehen, denen auf Grund ihres Lebensraumes wenig Bäume zum Fegen zur Verfügung stehen, sind hellgraue Stangen typisch. Das Fegen des Geweihs schadet den Bäumen: Böcke nutzen dafür bevorzugt alleinstehende Stämmchen und Randpflanzen, die Fegefreudigkeit der einzelnen Böcke ist individuell verschieden. Einzelne Böcke fegen nur an wenigen Stämmchen, während andere in Kulturen hunderte von Pflanzen massiv schädigen. Fegeschäden gelten als kaum vermeidbar, es hilft nur das Einzäunen von aufgeforsteten Kulturen oder ein Einzelschutz von Bäumen beispielsweise durch Ummanteln der Stämme mit Maschendraht. Im Vergleich mit den Verbissschäden, die Rehe in Wäldern anrichten können, sind die Fegeschäden jedoch gering.

Das Reh ist ein ausgeprägt geruchlich orientiertes Tier. Es zählt zu den sogenannten Makrosmatikern, da ein hoher Anteil der Nasenschleimhaut mit einem Riechepithel (Riechschleimhaut) überzogen ist. Auf den etwa 90 Quadratzentimeter umfassenden Riechepithel befinden sich rund 320 Millionen Riechzellen. Rehe sind in der Lage, bereits geringe Duftreize wahrzunehmen und riechen einen Menschen aus einer Entfernung von 300 bis 400 Metern.

Die seitlich stehenden Augen erlauben dem Reh ohne Kopfdrehung einen weiten Umkreis zu überblicken. Rehe reagieren besonders auf Bewegungen, das Erkennungsvermögen für unbewegte Gegenstände ist nicht sehr hoch entwickelt. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum Rehe gegenüber einem stillstehenden Objekt beim Sichern auffällig das Haupt heben und senken. (Bei Störungen richten Rehe den Kopf auf und starren die Ursache der Störung an, wobei sie sich oft seitwärts stellen. Dieses charakteristische Verhalten wird Sichern genannt.) Sie bewegen sich gelegentlich auch langsam und mit weit vorgestrecktem Hals im Stechschritt auf die verdächtige Erscheinung zu, dabei stampfen sie von Zeit zu Zeit auf den Boden. Das Verhalten wirkt auf den Menschen äußerst neugierig, es handelt sich jedoch um ein Verhalten, bei dem sich das Reh Klarheit über die Ursache seiner Beunruhigung verschafft. Es kann einer Flucht unmittelbar vorausgehen.

Über die Leistungsfähigkeit des Gehörsinns besteht keine einheitliche Einschätzung, da Rehe auf verschiedene Laute sehr unterschiedlich reagieren. Rehe können sich an laute Geräusche gewöhnen und lassen sich beispielsweise durch die Lärmkulisse einer Autobahn oder eines Schießplatzes beim Äsen nicht stören. Dagegen kann das leise Knacken eines trockenen Zweiges bei ihnen Sichern und Flucht auslösen.

Ein bellender Laut ist die auffälligste und am häufigsten zu vernehmende Lautäußerung des Rehs, er wird in der Fachliteratur als „Schrecklaut“, in der Jägersprache als „Schrecken“ bezeichnet.Belllaute sind meist dann zu hören, wenn Rehe aufgeschreckt werden, aber die Ursache der Störung noch nicht identifiziert haben. Der Laut drückt eher Erregtheit und Aggression als Angst aus. Ein bellendes Reh signalisiert dem Störer unter anderem, dass es ihn entdeckt hat – für einen potentiellen Fressfeind ist in diesem Fall eine weitere Annäherung sinnlos. Seinen Artgenossen teilt das Reh über das Bellen auch mit, wo es sich befindet. In einigen Regionen sind im Sommer morgens und abends deswegen für etwa eine halbe Stunde bellende Rehe zu vernehmen.Mit fiependen Lauten locken sich Kitz und Ricke dagegen gegenseitig. Auch während der Brunft ruft die Ricke fiepend nach dem Bock. Für den Bock ist dagegen beim Treiben der Ricke oder beim Vertreiben eines anderen Bockes häufig ein keuchendes, pfeifendes Schnauben zu vernehmen.

Das Reh verfügt über drei verschiedene Gangarten. Im Schritt setzt es die Läufe links hinten, links vorn, rechts hinten und rechts vorn auf. Dabei tritt es mit dem Hinterlauf annähernd in die Trittspur des Vorderlaufs auf der gleichen Körperseite. Die Schrittlänge misst zwischen 35 und 45 Zentimeter. Der sogenannte Troll oder Trab ist ein etwas schnellerer Gang, bei dem jeweils zwei diagonale Läufe – also beispielsweise linker Vorder- und rechter Hinterlauf – gleichzeitig auf den Boden gesetzt werden. Rehe zeigen diese Gangart verhältnismäßig selten und nur über kurze Distanzen.

Die schnellste Gangart des Rehs ist der Galopp, er besteht aus einzelnen Sprüngen, bei denen beide Vorderläufe und beide Hinterläufe fast gleichzeitig auf den Boden gesetzt werden. Das Reh stößt sich unter Mitwirkung der Rückenmuskulatur beim Strecken der Hinterläufe vom Boden ab, bewegt sich dann mit geradem Rücken ohne Bodenberührung durch die Luft und fängt sich mit den Vorderläufen wieder auf. Mit stark gekrümmten Rücken werden dann die Hinterläufe noch vor den Trittspuren der Vorderläufe wieder aufgesetzt, die durchschnittliche Sprungweite liegt bei etwa vier Metern. Rehe sind nicht in der Lage, diese schnelle Gangart über längere Zeit aufrechtzuerhalten, da ihre Herz- und Lungenleistung dafür nicht ausreicht. Rehe sind außerdem gute Schwimmer und in der Lage, mehrere Kilometer breite Gewässer zu durchqueren.

Lebensraum

In der Waldlandschaft Europas besiedelte das Reh Waldlichtungen, Waldrandzonen sowie andere, unterwuchsreiche und baumarme Lebensräume wie Auen, Deltas und Riede, die nicht in Waldlandschaften übergehen. Die heute von Agrarflächen durchzogenen oder umgebenen Waldgebiete bieten dem Reh deutlich mehr Lebensraum. Die Bestandsdichte liegt hier 10 bis 20-mal höher als in Waldgebieten, deren Baumbestand eine natürliche Altersstruktur aufweist. Optimale Rehhabitate bestehen aus einem engmaschigen Mosaik von forstlich und landwirtschaftlichen genutzten Flächen und weisen Dickungen, Althölzer, Wiesen sowie mit Sträuchern und Kräutern bewachsene Schneisen und Wegränder auf.

Die Höhenverbreitung reicht von der Tiefebene bis in alpine Höhenlagen von 3.000 Metern. Allerdings ist es in hochalpinen Regionen oberhalb der Baumgrenze und in offenem Grasland selten. Regionen mit strengen Wintern und hohen, lang andauernden Schneelagen sind für Rehe wenig geeignet, da sie sich in hohem Schnee nur schlecht fortbewegen und an Nahrung gelangen können. Rehe überwintern in solchen Regionen auf zum Teil verhältnismäßig kleinräumigen Stellen, an denen sich auf Grund topographischer Merkmale weniger Schnee ansammelt. Rehe sind außerdem erfolgreiche Kulturfolger, die auch vom Menschen stark überformte Lebensräume besiedeln. Auf Grund ihrer verhältnismäßig geringen Größe genügen ihnen bereits kleine Waldreste oder Hecken als Deckung. Entsprechend besiedeln Rehe auch die offene Agrarsteppe. Es wird zwischen den Ökotypen Waldreh und Feldreh unterschieden. Während das Waldreh nach wie vor waldnahe Habitate besiedelt, ist das Feldreh in der deckungsarmen offenen Agrarlandschaft zuhause und hat seine Ernährung überwiegend auf Feldfrüchte umgestellt. Feldrehe kehren jedoch in die für sie optimale Waldrandzone zurück und ändern ihre Ernährungs- und Verhaltensweise, wenn die Rehbestandsdichte in diesen Zonen zurückgeht.

In Regionen mit hohem Damwild-, Sikahirsch- oder Rothirschbestand sind Rehe tendenziell seltener. Es liegen noch keine exakten Untersuchungen zum interspezifischen Verhalten von Rehen zu anderen Tierarten vor, doch verlassen Rehe bei sich näherndem Damwild die Äsungsflächen. Noch mehr Distanz halten Rehe zu Rotwild, auch hier scheint das Brunftverhalten von Rothirschen Rehe zu stark zu beunruhigen. In mehreren Regionen konnte ein Anstieg der Rehwildbestände nachgewiesen werden, wenn der Bestand an Rothirschen zurückging. Auch Sikahirsche verdrängen Rehe. Gegenüber Wildschweinen ist das Verhalten der Rehe unterschiedlich. Dort, wo Wildschweine häufig sind und auch am Tage ihre Einstände verlassen, suchen beide Arten gelegentlich auf denselben Flächen nach Nahrung. Dagegen reagieren Rehe in der Dämmerung und bei Dunkelheit auf Wildschweine mit einem sichernden Verhalten.

Nahrung

Rehe sind Wiederkäuer, allerdings haben sie gemessen an ihrer Körpergröße einen verhältnismäßig kleinen Pansen mit geringem Füllungsgrad. Sie verfügen außerdem nur über zwei statt der für Wiederkäuer so charakteristischen drei Blindsäcke. Dafür ist aber die Pansenschleimhaut dichter mit Pansenzotten besetzt als dies bei vielen anderen wiederkäuenden Huftieren der Fall ist. Dies vergrößert die Gesamtoberfläche des Pansens und damit die dem Blutkreislauf pro Zeiteinheit zugeführte Stoffmenge. Rehe werden als „Selektierer“ bezeichnet, da sie ausschließlich leicht verdauliche Nahrung bevorzugen. In der Schweiz sind besonderes weitgehende Studien zum Äsungsverhalten von Rehen vorgenommen worden. Dort konnten fünf Äsungsperioden unterschieden werden:

- Gräser und Knospen von Mitte März bis Ende April
- Laubtriebe und einkeimblättrige Kräuter von Anfang Mai bis Ende Juni
- Zweikeimblättrige Kräuter und Laubtriebe von Mitte Juni bis Mitte Oktober. In dieser Zeit ist die Zahl der als Äsungspflanzen generell in Frage kommenden Arten am größten und umfasst rund 134 verschiedene Arten.
- Schachtelhalme, Farne und Bärlappgewächse sowie Knospen und Brombeeren von Mitte Oktober bis Mitte Dezember
- Gräser, Knospen und Brombeeren von Anfang Januar bis Mitte März.

Beäst werden die Pflanzen vom Erdboden bis in eine Höhe von 120 Zentimeter. Bevorzugt fressen Rehe jedoch die Pflanzenteile, die etwa 75 Zentimeter über dem Boden stehen.[90] Ein etwa 20 Kilogramm schweres Reh braucht zwischen zwei und vier Kilogramm Grünmasse für die Deckung seines täglichen Energiebedarfs. Bei natürlicher Futterzusammensetzung benötigt ein Reh außerdem etwa 1350 Milliliter Wasser je 10 Kilogramm Lebendgewicht. In der Regel enthält die natürliche Nahrung so viel Feuchtigkeit, dass es nicht zusätzlich trinken muss. Bei zunehmender Trockenheit sind Rehe jedoch regelmäßig an Wasserstellen zu beobachten.

Der Stoffwechsel von Rehen ist insbesondere an Rehböcken untersucht worden. Dabei ließen sich zwei Perioden im Jahr feststellen, in denen die Rehböcke besonders stark zunehmen. Diese Feistzeiten fallen in Mitteleuropa in den Zeitraum März bis Juli sowie von Anfang September bis Anfang November. Rehböcke nehmen in dieser Zeit bis zu 20 Prozent des Ausgangsgewichtes zu. Die im Frühjahr aufgebauten Reserven werden während der Brunft im Juli und August wieder abgebaut. Die im Herbst angelegten Reserven dienen der Überbrückung des Energiedefizits im Winter. Bei säugenden Ricken und den heranwachsenden Kitzen ist der Eiweißbedarf vor allem im Sommer sehr hoch. Säugende Ricken steigern ihre Energieaufnahme im Vergleich zu nicht säugenden Ricken auf bis zu 150 Prozent.

Fortpflanzung, Brunft & Paarung

Zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Böcken kann es das ganze Jahr über kommen. Nach der Brunft und im Winterhalbjahr begrenzen sich die Kampfhandlungen gewöhnlich auf Drohen, Imponieren und Verjagen. Besonders intensiv sind die Kämpfe im Mai, wenn das Imponier- und Drohverhalten über Minuten dauert und Jagden über mehrere hundert Meter erfolgen. Böcke nehmen sich in der Regel auf eine Distanz von 30 bis 300 Meter wahr und reagieren darauf zunächst mit Sichern, dabei ist das Haupt erhoben, die Ohren nach vorne geöffnet und häufig auch ein Vorderlauf angewinkelt. Die beiden Böcke nähern sich dann auf fünf bis zehn Meter und drohen und imponieren dann erneut. Der Hals ragt beim Imponieren senkrecht nach oben, der Kopf ist zur Seite gewendet und die Ohren sind nach hinten gelegt. Beim Drohen dagegen grätscht der Bock die Beine, senkt den Kopf und stößt mit dem Geweih in Richtung seines Rivalen. Dies ist häufig von einem Scharren mit einem der Vorderläufe begleitet (sogenanntes Plätzen). Zum Drohen gehört auch ein heftiges Schlagen auf den Boden mit einem der Hinterläufe. Gleich starke Böcke jagen dann unvermittelt über eine Strecke von 20 bis 80 Meter nebeneinander her und beginnen dann erneut mit Drohen und Imponieren.

Vor dem eigentlichen Kampf schreiten die Böcke im Stechschritt aufeinander zu, dabei schlagen sie erneut mit den Hinterbeinen auf den Boden. Sobald die beiden Gegner unmittelbar frontal gegenüberstehen, senken sie gleichzeitig die Köpfe und der eigentliche Stoßkampf beginnt. Es handelt sich bei der Kampfhandlung nicht um einen Beschädigungskampf, sondern um einen Kommentkampf, der nach ritualisierten Verhaltenssequenzen abläuft. Bei gleich starken Gegnern kommt es häufig zu einem kreisförmigen Drehen. Der stärkere Bock ist häufig erst nach mehreren Anläufen ermittelt; auf das Drohen des stärkeren Bocks verharrt der Verlierer kurz in Demutsstellung, dabei ist der Hals waagrecht gehalten und die Ohren nach vorne gewendet. Danach flüchtet er.

Tödliche Kampfausgänge kommen gelegentlich vor. Es gibt Rehböcke, die sich atypisch verhalten und ihren Gegner von der Seite angreifen (sogenanntes Forkeln). Gelegentlich unterscheiden sich die Geweihe der beiden kämpfenden Böcke so stark, dass sie sich nicht miteinander verhängen, sondern direkt auf die Stirn des Gegners auftreffen. Beim Zustoßen kann dann die Schädeldecke durchdrungen werden.

Die eigentliche Brunft findet in Mitteleuropa etwa von Anfang Juli bis ins zweite Drittel des August statt, sie beginnt nach milden Wintern tendenziell früher als nach langen und kalten. Die letzten Wochen der Brunftzeit werden auch als Blattzeit bezeichnet, weil dann die meisten Ricken gedeckt sind und sich Böcke von Jägern durch „Blatten“, das Nachahmen des Fiepens brunftiger Ricken, anlocken lassen. Die Brunftzeit der Ricken ist im Gegensatz zu den Männchen kurz und dauert nur jeweils etwa vier Tage. Generell sind ältere und konditionell starke Ricken früher als junge und schwach veranlagte Ricken paarungsbereit. Bei älteren Ricken beginnt der Brunftzeitraum etwa 67 Tage nach der Geburt ihres Kitzes.

Rehböcke werden durch Geruchswahrnehmung auf paarungsbereite Ricken aufmerksam und folgen gewöhnlich bis in die unmittelbare Nähe ihrer Spur. Eine Ricke reagiert auf einen sich nähernden Bock gewöhnlich mit einer Flucht von durchschnittlich 500 Metern, der Bock folgt ihr dabei. In der Vorbrunft kann dieses sogenannte Treiben über Stunden und sogar Tage gehen. Erst wenn die Ricke empfangsbereit ist, bleibt sie bei einem solchen Treiben plötzlich abrupt stehen. Der aufschließende Bock beriecht und beleckt darauf die Ricke. Mit gesenktem Kopf frontal oder lateral vor dem Bock stehend fordert die Ricke ihn dann zur Paarung auf, läuft dabei langsam weiter, wobei der Bock ihr mit langgestrecktem Hals und Kopf folgt. Der Bock imponiert erneut und reitet dann zur Paarung auf. Ricken in einer körperlich nicht guten Verfassung unterbrechen häufig das Brunftvorspiel, indem sie sich nur über eine kurze Distanz verfolgen lassen und sich dann niederlegen. Auch der Bock bricht gelegentlich das Brunftvorspiel ab, wenn die Ricke nicht alle zum Paarungsverhalten gehörenden Verhaltenssequenzen zeigt.

Böcke verlieren in der Brunft auf Grund des heftigen Treibens der Ricke und der häufig langen Suche nach brunftigen Ricken erheblich an Körpergewicht.Generell verpaaren sie sich nur mit sehr wenigen Ricken, meist bleiben sie während der vier Tage, die die Brunft einer Ricke dauert, in ihrer Nähe. Nur in Gebieten, in denen es an Böcken mangelt, werden mehrere Ricken von einem Bock abwechselnd getrieben und beschlagen.

Jungtiere & Aufzucht

Bei Rehen kommt es im Gegensatz zu anderen Hirscharten zur Keimruhe. Das befruchtete Ei entwickelt sich erst ab Dezember und führt in Mitteleuropa zur Geburt der Jungtiere (Kitze) vorwiegend im Mai und Juni des folgenden Jahres. Etwa 80 Prozent der Kitze werden in einem Zeitraum von 20 bis 30 Tagen geboren, die Gesamttragezeit beträgt durchschnittlich 290 Tage oder 9,5 Monate. Beobachtungen der Setzzeiten im Donautal bei Ingolstadt und in der Kochelsee-Niederung in den 1970er Jahren haben gezeigt, dass Ricken ihre Kitze in späten Frühjahren auch entsprechend später setzen. Daraus schließt man, dass Rehe in der Lage sind, ihre Tragezeit äsungsabhängig so zu steuern, dass das Setzen der Kitze in die günstigste Zeit fällt. Die Fähigkeit zur Keimruhe scheint unter Huftieren eine einzigartige Anpassung zu sein. Sie ermöglicht es, dass Brunft und Säugezeit zeitlich zusammenfallen und in einer Jahreszeit stattfinden, in der ein großes und qualitativ hochwertiges Äsungsangebot besteht.

Kurz vor der Geburt sucht die Ricke einen Setzplatz aus, meist eine wenig bewachsene Stelle in der Nähe guter Dickungen. In Heugraswiesen sind die Setzplätze etwa zwei Quadratmeter große Flächen, in denen die Ricken das Gras niedergewälzt haben. Während des Geburtsvorgangs liegen die Ricken auf der Seite, nur selten stehen sie mit gegrätschten, leicht angewinkelten Hinterläufen. Die Länge des Geburtsvorgangs hängt von der Anzahl der Kitze ab, in der Regel umfasst er zwischen vier und fünf Stunden und ist damit im Vergleich zu anderen Huftieren verhältnismäßig lang. Rehricken können zwischen einem und vier Jungen zur Welt bringen.

Von 573 in der Region Bern beobachteten Ricken, brachten 224 ein einzelnes Kitz, 306 Zwillinge, 41 Drillinge und zwei Vierlinge zur Welt. Die Zahl der Kitze je Geburt ist abhängig vom Alter der Ricke und ihrer körperlichen Verfassung. Unmittelbar nach der Geburt versuchen sich die Kitze aus der Embryonalhülle zu befreien und geben nach drei bis zehn Minuten leise, hohe Kontaktlaute ab. Das Muttertier versucht darauf, das Neugeborene durch Lecken zu säubern. Es reinigt auch die Pflanzen und Bodenteile von Blut, Embryonalhülle und Nachgeburt, wodurch die Witterungsspuren vom Setzen und vom Neugeborenen verschwinden. Bereits sechs bis zwanzig Minuten nach der Geburt beginnen Rehkitze mit ihren ersten Stehversuchen. Gewöhnlich kann ein Kitz eine halbe bis anderthalb Stunden nach der Geburt stehen, nach einer bis drei Stunden versucht es die ersten Schritte. Nach zwei Tagen kann ein Kitz die Läufe vollumfänglich koordinieren, allerdings erst nach drei bis vier Tagen auch galoppieren. Das Sehvermögen ist in den ersten zwei Stunden schlecht, in dieser Zeit erfolgt eine Orientierung ausschließlich nach dem Gehör.

Etwa drei bis vier Wochen bleiben Rehkitze in der Deckung zurück, während das Muttertier äst und zum Säugen des Kitzes zurückkehrt. Das Kitz liegt dabei meistens in eingerollter Bauchlage am Boden. Das einzelne Kitz trifft die Wahl seines Liegeplatzes selbst und wird nur insofern vom Muttertier beeinflusst, als es versucht, solche Geburtsorte zu finden, die reichen Unterwuchs oder einen guten Sichtschutz von oben bieten. Das Abliegen ist eine Instinkthandlung der Kitze, bereits dreitägige Kitze wären in der Lage, dem Muttertier über längere Strecken zu folgen. Das Verharren des Jungtiers an einer Stelle ist sowohl für das Mutter- als auch das Jungtier energetisch sinnvoll. Ricken, deren Kitze aktiv waren, sichern mehr und äsen weniger. Ruhende Kitze verbrauchen wenig von der aufgenommenen Nahrung für Bewegung und haben entsprechend ein höheres Wachstum. Gleichzeitig ist das Verharren in der Deckung die bestmögliche Anpassung an einen hohen Druck durch Prädatoren.

Als Liegeplätze wählen Kitze Stellen unter Büschen mit tiefhängenden Ästen oder Zonen mit 30 bis 60 Zentimeter hoher Vegetation. Diese Liegeplätze wechseln täglich, durchschnittlich befindet sich der nächste Liegeplatz zwischen 100 und 200 Meter vom alten entfernt. Die Kitze eines Muttertiers suchen keine gemeinsamen Liegeplätze auf, sondern befinden sich spätestens einen Tag nach der Geburt meist zwanzig bis achtzig Meter voneinander entfernt in der Deckung. Die Distanz kann in den ersten Lebenstagen sogar noch größer werden. Kitze, die über längere Zeit nicht gesäugt wurden, beginnen leise Fiii-Laute von sich zu geben. Diese Kontaktlaute steigern sich allmählich zu einem zweisilbigen Fiii-ie, das das Kitz in Extremfällen 30 bis 40 Mal von sich gibt. Ein schriller, heller Fieplaut ist der Alarmruf oder Angstschrei des Kitzes, der bei dem Muttertier in der Regel ein Herbeieilen auslöst. Ricken verteidigen ihre Kitze durch Vorderlaufschläge unter anderem gegen Katzen, Füchse, Hunde und gegebenenfalls auch Menschen. Auf Störungen wie rasche Bewegungen in ihrer Nähe, Lärm oder fremden Geruch hin verharren Kitze starr an den Boden gepresst. Die Läufe sind dabei angewinkelt, der gestreckte Hals wird auf den Boden gepresst. Ein Fluchtverhalten – beispielsweise vor Mähmaschinen – setzt erst im Alter von drei bis vier Wochen ein. Danach lösen nur noch sehr hohe Feindreize ein Sich-an-den-Boden-Drücken aus. Beobachtet wurde es beispielsweise bei deutlich älteren Tieren, wenn diese vor sich nähernden Menschen nicht mehr flüchten konnten.

Ricken nehmen bis in die dritte Woche nach der Geburt fremde Kitze an, wenn diese dem Alter ihrer eigenen Nachkommen entsprechen; umgekehrt können sich bis zu drei Wochen alte Kitze fremden Ricken anschließen. Solche Adoptionen kommen vor allem dann vor, wenn die Bestandsdichte sehr hoch ist und die Setzplätze der Ricken nicht weit auseinanderliegen. Aus Vertauschungsversuchen hat man geschlossen, dass der individuelle Geruch der Kitze in den ersten Lebenswochen eine untergeordnete Rolle spielt. Typisch für junge Kitze ist ein Geruch nach saurer Milch und Harn. Die Milch gelangt auf das Fell der Kitze, wenn sie sich nach dem Saugen belecken, da sie meist im Liegen harnen, ist ihr Fell außerdem mit Harn benetzt. Zwischen der dritten und fünften Woche endet die Prägungsphase zwischen Kitz und Muttertier, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Verglichen mit anderen Schalenwildarten findet diese Prägung sehr spät statt und der Prägungsprozess dauert sehr lange.

Ab einem Alter von etwa vier Wochen beginnen Kitze ihr Muttertier zu begleiten. Kitze halten sich dann möglichst nah beim Muttertier auf und bevorzugen seinen Windschatten, so dass sie es dauernd riechen können. Sie haben dann auch Kontakt zu ihren gleichaltrigen Geschwistern. In dieser Zeit vergrößert sich der Aktionsraum der Ricke und ihrer Kitze deutlich. Gleichzeitig verholzen viele Äspflanzen und die Nahrung wird schwerer verdaubar und eiweißärmer. In der Regel erlauben Ricken nur noch ein zweimaliges Säugen am Tag. Die meisten Kitze stellen in einem Alter von zehn Wochen endgültig das Saugen ein.

Zwischen der vierten Lebenswoche und einem Alter von etwa sechs Monaten erlernen Rehkitze die meisten Elemente des Kampf-, Brunft- und Markierverhaltens in spielerischen Auseinandersetzen mit ihren gleichaltrigen Artgenossen. Dazu gehört unter anderem Imponier- und Demutsverhalten, Drohbewegungen gegenüber Artgenossen werden ab dem fünften oder sechsten Monat bereits mit Scharrbewegungen der Vorderläufe eingeleitet. In der Regel bilden die einzelnen Verhaltensmuster aber noch keine Verhaltenssequenzen, wie sie erwachsene Rehe während Auseinandersetzungen zeigen. Zwischen Mitte März und Mitte Mai zerfallen die Mutterfamilien. Bockkitze trennen sich in der Regel früher vom Muttertier als Rickenkitze. Das Muttertier fordert seinen vorjährigen Nachwuchs in dieser Zeit nicht mehr auf, ihm nachzufolgen und zeigt vermehrt ein aggressives Verhalten gegenüber den älteren Jungtieren. Die Abwanderung der Jungtiere erfolgt in einer Zeit, in der das Äsungsangebot sehr gut ist. In der Regel finden die vorjährigen Jungtiere ein Übersommerungshabitat in einer Region, die weniger als fünf Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt ist. Tendenziell wandern Jungböcke weiter als Jungricken.

Wichtiger Hinweis:

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